Cross-Rudern

Cross-Rudern auf Elbeseitenkanal, Ilmenau und Neetze.

Immer, wenn die bunten Blätter fallen, die Tage kurz und die Nächte bitter kalt werden, lädt Wolfgang Pott nach Uelzen zu diesem letzten großen Abenteuer ein, das die Wanderruderei uns noch zu bieten hat.

Harmlos der Beginn auf dem Kanal: Viel Himmel und wenig Landschaft. Der vollständige Verzicht auf Krümmungen macht jede Steuerberatung unnötig. Dann aber geht es richtig los: Unvermutet, an glitschiger Geröllhalde werden die Boote aus dem Wasser gehoben und zwischen dornigen Büschen hindurch auf nasser Wiese in einer Schussfahrt zu Tale gebracht. Tief unten im Souterrain määndert die Ilmenau flott vor sich hin, schmal und rasch fließend. Für den Mann an der Leine ist es mit der Ruhe vorbei. Hinter jeder Biegung lauert das Grauen. Umgestürzte Bäume müssen trickreich überwunden, beengte Brücken auf Biegen und brechen unterquert werden. Immer in der Gefahr, von heimtückischer Strömung gegen die Uferbotanik zu traversieren. An einem verrotteten Mühlenwehr hinter Bad Bevensen verwehrt uns der Müller das Umtragen. Ersatzweise kilometerlanges Schieben mit improvisierten Bootswagen kostet Zeit, entspannt aber immerhin die Gesäßmuskulatur. Dann wieder fehlt es an der nötigen Handbreit Wasser unter dem Kiel, es knirscht bedenklich. Dem Etappenende zu vor Lüneburg reicht zwar der Wasserstand, aber eine nicht endende Folge von Haarnadelkehren fordert die volle Konzentration der Mannschaft.

Am zweiten Tag ändert sich der Charakter der Ilmenau. Plattes Marschland statt hügeliger Geest. Die Kurven werden weiter, die Strömung geringer. Allerdings muss nach 100 Metern Rudern schon wieder ausgehoben und weit umgetragen werden. (Versuche übrigens, das Stadtwehr rudernd zu überwinden sollen im Vorjahr am Schutzgitter gescheitert sein). Flussab in Bardowick und Wittdorf wird der Schleusenwärter nur nach gutem Zureden unseres VL tätig. Vor dem Stichkanal zur Neetze ist der Wasserstand auf ein Jahrhunderttief gesunken. Ein Ausheben die fast senkrechte Uferböschung hoch scheint unmöglich. Wo aber ein Wolfgang ist, ist bekanntlich auch ein Weg, und mit Gummistiefeln und Hauruck klappt es schließlich doch. Beschaulich dann die Weiterfahrt über Barumer- und Reihersee, bis der mächtige Damm des ESK den Weg verstellt. Und nun die eindruckvolle Schlussvorstellung: Alle Hände greifen ein Boot und erklimmen im Laufschritt unter martialischem Geschrei die Deichkrone. Ältere Semester fühlen sich an den Sturm auf die Düppeler Schanzen erinnert, Sonntagsspaziergänger suchen verschreckt das Weite. Spätestens nach dem letzten Boot hat auch der Stärkste weiche Knie. Rudern auf dem letzten Stück Kanal geht aber gerade noch. Und beim gastfreundlichen Scharnebeker RV endet dann auch die Fahrt traditionell mit Bootsputz, Verlade, Kaffee und Kuchen.

Autor: Norbert Wulf, Bilder: Fred Heller