Altherrenwanderfahrt 2012

25. Altherrenwanderfahrt 2012

GLOSSAR

 

Emden

Leer gilt als schweer, Aurich als schaurich und in Brehm kann man ja nu wirklich nich lehm.....

.... so ähnlich beginnt ein Merkvers, der Junglehrern einst bei der Wahl des zukünftigen Arbeitsplatzes hilfreich war.

 

Und was ist mit Emden? Diese Stadt sucht man in der Negativliste vergebens. Aus gutem Grund, wie wir meinen. Denn in dieser reizvollen Hafenstadt am Dollart ließe es sich nach erster Besichtigung durchaus ‚gut lehm’. Zumindest, wenns nicht kalt ist oder schneit. Auch nicht unbedingt, wenn es regnet oder nebelt. Und schon gar nicht, wenn in NRW oder Holland die Ferien los sind. Und wenn überhaupt, dann auf garkeinen Fall in der Wolthuser Str.

 

Wetter

Mit „ausgesucht scheußlichem Wetter“ hatten wir gerechnet, ein Wetter, bei dem man “ besser gleich mit Ostfriesennerz auf die Welt kommen müsse“.

Und so feucht hat sich auch im restlichen Deutschland der Sommer 2012 angefühlt. Nicht jedoch in Ostfriesland! Präziser: nicht in der 27. KW. Pünktlich zur Ankunft unseres Vorkommandos wurde es dort sommerlich warm und trocken. Und ebenso pünktlich endete das schöne Wetter am folgenden Sonntag, als ein zartes Tröpfeln uns von der Terrasse des Emder RV vertrieb. Ein Tröpfeln, das dann spätestens ab Brehm in einen veritablen Sturzregen überging.

 

Siele, Tiefs und Meere

Wanderrudern wollten wir in Emden, um Emden und um Emden herum. Mit Begleitfahrrad und Ruderboot, mitunter unterhalb und mitunter oberhalb des Meeresspiegels. Auf stillen Wassern  mit ziemlich wundersamen Namen. 

Anders nämlich, als unsere Hamburger Alsterwasser -  die einfach hinten alle ein  -bek  haben - heißen die Ostfriesischen Gewässer beispielsweise Altes Greetsieler Sieltief,  Waskemeerer Zugschlot, Petkumer Klappe, Wiegboldsburer- oder gar  Stinkende Riede. Aus flachen Pfützen werden dann schon mal ein Großes Meer  oder  ein Uphuser Meer. Und was bitteschön darf man sich eigentlich unter einer  Sandhorster Ehe oder  gar einer Alte  Flumm vorstellen? 

 

Perspektive

Wir haben uns  sicherheitshalber auf Tiefs, Meere und Kanäle beschränkt. Letztere vielfach wie mit dem Lineal durchs platte Land gezogen. Da kann  man  manchmal morgens beim Start schon das abendliche Etappenziel sehen, wenn auch perspektivisch reichlich verkleinert:

Eddi erklärt uns die Zentralperspektive

 

 

Hier, wo ich stehe, sind die Räume,

die Sieltiefs, Mühlen, Ufersäume

so unvergleichlich groß und weit.

Da tun mir doch  die kleinen Bäume

am Ende des Kanals entsetzlich leid

Steuerberatung

Hat man sich beim Befahren der Kanäle erst einmal für eine Richtung entschieden,  sind weitere  Steuerberatungen völlig überflüssig. 

 

Wie aber, wenn im Gewirr der Tiefs und Siele mit ihren unerwarteten Abzweigungen, Kreuzungen und den vielen namenlosen Entwässerungsgräben der Überblick völlig in die hier zahlreich wachsenden  Binsen geht? Die wenigen Hinweisschilder sind dann kaum Hilfe, irritieren oft mehr, als  sie nützen.

Ebenso, wie gutgemeinte Auskünfte ortsansässiger Übelkrähen. Hier reicht keine geballte Intelligenz im Boot, hier muss ein elektronischer Positionsgeber her,  vulgo: ein Navi

 

Navigare necesse est: 

In der Übersetzung von...

  • Lateinern

Seefahrt ist notwendig.....

  • Gorch Fock 

Wanderrudern tut Not.....

  • Generation Facebook  

Schmeiß mir mal das Navi rüber 

  • Norbi et orbi

Schiffen tut Not 

Greetsiel

Du, das bekannteste unter allen Sielen, immer wieder gecastet für Funk und Fernsehen. Du hast hübsche Fischerhäuschen und viele Krabbenkutter,  

 

auch gibt es zwei schön  bunte Mühlen und zwei besonders tiefliegende Greetsieler Sieltiefs. Dazu Busladungen  Sommergäste, die Parkplätze, Gartenlokale und Andenkenläden vollmachen. 

 

Nur Wasser,  so schlichtes  Trinkwasser, nur ein Glas zum Kaffee, einfach aus der Leitung, damit konntest du leider nicht dienen.

Kultur in Suurhusen

Was wäre wohl gewesen, wenn Galileo G. nicht in Pisa sondern in Suurhusen  vorbeigeschaut, die Windmühlen beobachtet und vom schiefsten aller schiefen Türme etwas frei fallen gelassen hätte? 

 

Müsste womöglich die Geschichte der modernen Physik neu geschrieben werden? Und würden dann nicht länger die Bayern ewige Sieger beim Schultest sondern auch mal die Ostfriesen?

Snirtje

Unsere Eßgewohnheiten haben seit den letzten Wanderfahrten eine verhängnisvolle Entwicklung genommen. Vor 25 Jahren reichten noch die Nüsse und Rosinen aus Dirks  Tüte, Jürgen des Jüngeren unergründlichen Gemüse- und Gebäckdosen und hin und wieder Hildes liebevoll gemischter Kartoffelsalat im Henkelmann. Damit kam man ganz gut über den Tag. 

Tempi passati!

 

Statt dessen Vollpension! Länger als auf dem Rollsitz hocken  wir inzwischen in Gartenlokalen und speisen a la cárte: Räucheraal in Ditzum, Berge von Krabben in Greetsiel, eine große Kumme Gulasch für ALLE am Großen Meer. 

 

Matjes bei Candlelight im Rathaushof und beim Captains dinner auf dem Feuerschiff. Griechisch nebenan und schließlich Snirtje bei Cassis in Rorichum, eine ostfriesische Spezialität, gemacht für Menschen, denen Cholesterin, Kalorientabellen und BMI völlig wurscht sind.

 

Snirtjebraten (11,20€): 

Riesige Stücke vom Schwein werden eingelegt, gebraten und in fettiger Soße mit Bergen von Bratkartoffeln serviert. Dazu gibt es allerlei Süsssaures: Apfelrotkohl, Wachsbohnen, eingelegte Gurkenhäppchen, Rote Bete, Kürbis und Pflaumenkompott. 

Dazu empfehlen wir einheimisches Bier, Kruden oder Magenbitter 

Energiewende

Stade, Krümmel, Würgassen, Phillipsburg usw: Namen, die hoffentlich bald keiner mehr kennt. E10, Tank kontra Teller: hoffentlich bald nur noch Fußnoten der Geschichte. Die Bio-Kuh, die momentan durchs Dorf getrieben wird, heißt ‚Energie sparen und effizient einsetzen’! Da können wir uns ruhig einmal auf die eigene Schulter klopfen. Haben wir vor 2 Jahren für die Moselfahrt noch eine ganze Kfz-Flotte über weite Strecken gejagt, genügten für Ostfriesland Freds Bus und Helges Kombi, sparsame und zudem vollbesetzte Dieselfahrzeuge. Rekordverdächtige 32 g CO2/Personenkilometer! Für das Vorkommando reichten zur Erkundung des Landesinneren sogar nur wenige kWh aus der Steckdose. Und Ostfriesland? Dichtgepackte Solarzellen auf den Dächern - in Emden sind selbst die Hochbunker kunstvoll damit tapeziert – und natürlich Windkraftanlagen, soweit das Auge reicht. Vielleicht hat Galileo G. letztere gemeint, als er 1534 in Rom hochnotpeinlich befragt antwortete:

„Und sie drehen sich doch“!

 

Fotografisches

25 Jahre Altherrenwanderfahrten, das sind auch Pappkartons voll Fotos, Erinnerungsfotos mit immer den gleichen Motiven: Boote rein, Boote raus, Flusslandschaft mit Boot, Männer im Freundeskreis beim Essen und Trinken, alles beliebig austauschbar und deshalb langweilig. Geändert hat sich im Laufe der Zeit lediglich bei manchem der Leibesumfang und die Frisur.

Die Bilder aus Ostfriesland habe ich deswegen ein wenig aufgepeppt.

Übrigens, die Männchen auf den Suchbildern gab es schon in meiner Ausbildungszeit. Sie schlichen sich trojanergleich in Konstruktionszeichnungen und trieben dort hinter Querschotten, Erleichterungslöchern und Mannlochdeckeln allerlei Schabernak.

 

sowie ohne Abbildung Jürgen d.Ä et Norbi