Pagensand

„Alle Jahre wieder! Ochsentour nach Pagensand.“

…. titelte kürzlich das PinnebergerTageblatt. Aber nicht wir, die die einsame Insel zum Ziel einer Wochenendfahrt gewählt hatten, waren Gegenstand dieses Berichtes, sondern irgendwelche richtigen Rindviecher.

Was hätte aber über unsere Unternehmung nicht alles geschrieben werden können? Vielleicht, dass die Beteiligung mit 14 Männern in 2 Vierern und einem Dreier ungewöhnlich groß war? Dass die Fahrt bei miesem Nieselregen begann und bei schönstem Sonnenschein endete? Oder dass der Fahrtenleiter Eddi klug und weise auf die ersten und letzten paar Kilometer der Reise verzichtete und sich von Kollmar mitsamt einem Großteil unseres Gepäcks übersetzen ließ? Einem unglaublichen Berg von Säcken, Kisten, Pötten und Großraumtaschen, die als Decksladung über Nebenelbe und Stromleitdamm zu transportieren waren.

Aber auch von der zwischen Fischmarkt und Övelgönne wie immer hochgehenden See, verursacht von wild gewordenen Bügeleisen und von dem oberlehrerhaften Motorbootfahrer, der von Rolf richtig angeheizt am liebsten die Kriminalpolizei verständigt wissen wollte. Natürlich auch von Ralfs aufgesetzten Weingeist, der nicht nur Vampire in die Flucht jagt und von der Kochkunst und dem Improvisationstalent der Hellerschen Küchenbrigade. Und schließlich von den Wedeler Kraftwerkschloten und den Stader Strommasten, die wieder ums Verrecken nicht näher kommen wollten und von den letzten Kilometern, die sich endlos zogen und die Frage aufwarfen: Warum machen wir das eigentlich?

Aber auch manche Lehre ließe sich aus der Fahrt gewinnen: Back to the roots! soll heißen: höchstens zehn Teilnehmer, besser nur acht oder gar fünf. Dann reicht auch das Bier und Freds Lammtopf. Und bitte nur soviel Gepäck, wie jeder selbst tragen bzw. verschiffen kann. Dann findet ja vielleicht auch noch die Suppenkelle ein Plätzchen. Die Rückfahrt aber erst antreten, wenn das Wasser wirklich aufläuft. Es stärkt die Moral ungemein, wenn der Schwall an den Bojen mächtig in die richtige Richtung weist und die Ruderer zwar spät, dafür aber glücklich am Bootssteg aussteigen. Übrigens hatten drei etwas ältere Teilnehmer beim Versuch einer Kontemplation eine unheimliche Begegnung mit den eingangs erwähnten Sommerfrischlern: Ein drohender Kampf mit ungewissem Ausgang konnte dabei nur durch einen beherzten Rückzug hinter den Elektrozaun vermieden werden, einem lächerlich dünnen und zudem noch spannungsfreien Draht. Ein Umstand, der von den recht dummen Tieren zu unserem Glück unbemerkt blieb.

Norbert Wulf