Unstrut & Saale

Unstrut & Saale im Sommer 2004

Monika hat es gemacht und Peter auch. Wilbrand zwar nicht selbst, lässt aber durchblicken, er kenne mehrere mittelalterliche Männer, die sich dabei sehr wohlgefühlt haben. Gunhild, bei der es schon etwas länger her ist, meint sich zu erinnern, dass es sehr schön war. Heike schließlich würde es immer wieder machen und Illinor auch. Helmuth kennt sich damit sogar so gut aus, dass er uns hilfreich zur Seite stehen würde.

Warum machen wir es nicht genau wie sie, und rudern endlich einmal auf der


Unstrut und Saale?


Die Wasser sind wieder klar, die Strände weiß und die Burgen zahlreich und schön (oder so ähnlich). Von Leuna und Bitterfeld riecht man nicht mehr besonders viel, nur der Wein bewegt sich im einstelligen Öchslebereich, hinterlässt auf der Zunge einen pelzigen Geschmack und hat einen stark ätzenden Abgang.

So vielversprechend war die Einladung zu unserer Altmännerfahrt im Sommer 2004. Und so war dann die Realität:

Land                    
Geographisch mag dort, wo wir dieses Jahr wanderruderten ja der Nabel der Welt liegen. Gefühlsmäßig war es dann doch eher das Gegenteil. Körperliche Unzulänglichkeiten einiger Teilnehmer, viele Autofahrkilometer mit nur gelegentlichen Rudereinlagen und völlig ungeeignetes  Arbeitsgerät mögen dazu beigetragen haben. Aber was soll das Klagen: Boote mit ungebrochenen Spanten, ausreichend langen Rollbahnen, einwandfreien Dollen - nicht ausgeleiert und mit annähernd richtiger Anlage - und mit gleich vielen Backbord- und Steuerbord-Skulls, solche Boote kann schließlich jeder rudern. Bedenkt man dieses und berücksichtigt ferner, dass Wind und Wetter viel besser waren als im übrigen Deutschland, dann war die Wanderfahrt eigentlich doch gar nicht sooo schlecht.

Fluss                    
Da man uns von einem Einsetzen im Oberlauf wegen riskanter Brückendurchfahrten abriet, haben wir die Unstrut erst ab Tröbsdorf berudert. Hier ein recht schmales Flüsschen, oft kaum breiter als unsere Oberalster. In vielen Windungen schlängelt es sich durch ein hügeliges stilles Tal. Leider mit vielen Wehren reguliert und deshalb von kaum messbarer Strömung. Unterhalb der Schleusen ruht das Auge des Längeren auf ausgewaschenen Lehmwänden, Schottersteinen und allerlei Gesträuch. Treibgut hoch oben in den Zweigen lässt immerhin ahnen, dass bei gehobenen Wasserständen auch das schöne Landesinnere vom Boot aus einzusehen ist. Durchaus von Reiz hingegen, wenn unerwartet ein Barockgarten auftaucht, oder steile Weingärten, die den Fluss einengen, gekrönt von weitläufigen Altimmobilien.
Ein unverzeihlicher Fehler war es, die Saale nur von der Einmündung der Unstrut an zu beschiffen. Ihr romantischer Teil - derjenige mit den hellen Stränden, den Bergen und den Burgen, zahlreich und schön besungen - muss wohl irgendwo flussauf liegen. Naumburger Ruderer berichteten von einer kürzlichen Erstbefahrung - mit Leihkanus!! Hinderliche Wehre und Stromschnellen verbieten eine Befahrung mit Ruderbooten. Auf dem Unterlauf bilden dann höchstens noch Schönburg und das Gebiet um Oeblitz eine reizvolle Naturkulisse. Aber spätestens hinter der letzten Stadtschleuse von Weissenfels beginnt eine tiefgelegte, über weite Strecken doch recht langweilige Rinne.

Stadt
Mittelpunkt des Weinbaus in dieser Region ist Freyburg. Schon merkwürdig, wie man auf die Idee verfallen kann, hier Rebstöcke zu kultivieren. Nach Stadtmauer, Stadtkirche und Marktplatz haben wir die Stadtbrauerei aufgesucht und vorsichtshalber Bier statt Wein getrunken. Wenn abends die Bürgersteige hochgeklappt werden, kann man getrost in der Straßenmitte gehen ohne zu einem Verkehrshindernis zu werden.    
Naumburg liegt nicht an sondern reichlich neben der Saale. Für ein erstes Kennenlernen sollte man sich mehr Zeit nehmen, als wir mit einem angebrochenen Nachmittag. In der Altstadt brummt mächtig der Fremdenverkehr. Der Pflichtbesuch bei Uta und Ekkehard im Dom wurde uns etwas verdorben durch einen schlimmen Verkehrsunfall, dessen unmittelbare Zeugen wir wurden.
Von Weissenfeld sind uns nur ein putziges Pelztier, zwei aggressive Schwäne und mehrere Schleusen in Erinnerung geblieben.
Ein garstiger Kleingartenzwerg beim Kanuclub, eine sehr hinderliche Schleusenbaustelle und ein trostloser Bahnhofsvorplatz, soviel über Bad Dürrenberg. Zu wenig, um das Prädikat "Kurbad" zu rechtfertigen.
Durch Merseburg sollte unbedingt rückwärts gerudert werden. Dann hat nicht nur der Steuermann die richtige Perspektive auf das einmalig über dem Wasser ragende Panorama, welches Schloss und vieltürmige Kirche bieten. Schade, das Bootshaus des Ruderklubs liegt viel zu weit außerhalb, um in der Mittagspause mal eben schnell eine Ortsbesichtigung zu machen.
Halle zeigte sich uns von der Wasserseite am schönsten. Neben wilder Industriebrache Auenwälder, die Burg Giebichenstein, Felswände. Ab Trotha dann wieder gähnende Langeweile. Abwechslung bot allenfalls Wettin mit einer Burganlage hoch über der Stadt. Einst Sitz eines mächtigen Fürstengeschlechtes, das von hier bis ins ferne Sachsen reichte.
Wir haben in Könnern die Fahrt abgebrochen. Möglich, dass uns mit Bernburg  eine Sehenswürdigkeit entgangen ist, aber für die letzten 15 km fehlte es an Zeit und Motivation. Auch ergriffen wir die wohl letzte, wenn auch recht kümmerliche Aushebemöglichkeit: Ein schmaler Kiesstreifen unterhalb der Straßenbrücke.

Nacht
Das Bootshaus am Böllberg ist bewirtschaftet und hat kleine Zimmer zu vergeben.
Die kleine Pension in Freyburg, etwas außerhalb neben dem rauschenden Wehr gelegen, ist empfehlenswert. Wir haben am ersten Abend ausgezeichnet im Hof gegessen und getrunken.
Das Hotel in Halle: eine enge, verbaute Bruchbude mit kümmerlichem Gastraum. Dazu eine schwierige Anfahrt trotz GPS. Mit dem Böllberg wären wir besser bedient gewesen. Immerhin fand sich in der Nähe ein gut besuchtes Gartenlokal, wo wir unseren Frust im Bier ersäufen konnten.

Mit dabei waren Edgar, Hans, Herbert, Hero, Jürgen der Jüngere und Jürgen der Ältere, Manfred und Norbert.

 

Norbert Wulf