Rund um Potsdam

Lieber Teilnehmer der 20. Altherrenwanderruderfahrt 2007,

wenn du unter Zuhilfenahme eines Vergrößerungsglases den rechten Bildrand der Potsdamer Stadtansicht absuchst, dann findest du vielleicht einen alten Havelkahn, die „Luise“. Mit einer Länge von 39,69m zwischen den Loten und einer Breite von 4,93m über Spanten wird er den Teilnehmern der diesjährigen Fahrt Lagerstatt sein. Sehr romantisch. Wenn du in einer der engen Kojen der 4 Doppel- und 2 Einzelkajüten gerade nicht schläfst, kannst du auf dem Sonnendeck darüber die Seele baumeln lassen, auf einer Feuerstelle am Ufer Lammtopf zubereiten oder einfach nur das gegenüberliegende Schloss Babelsberg betrachten. Wenn dir nach Kultur ist - ich meine nicht Körperkultur sondern richtig - dann kann dir auch geholfen werden: Einige 20 Schlösser, ausgedehnte Englische Gärten, alte Kirchen und Bürgerpalais, selbst ausgesucht schöne Beispiele neuerer Plattenbauarchitektur wollen von dir besichtigt werden. Rudern geht natürlich auch. Eine Barke mit maximal 11 Plätzen ist in Berlin-Tegel bestellt und ankert neben der „Luise“. Und um Potsdam herum gibt es viele Seen, die in kürzeren oder meinetwegen auch längeren Törns befahren werden können.

Bevor du dich jetzt aber vorschnell zur Teilnahme durchringst, hier einige kritische Bemerkungen über Stadt und Land von Leuten, auf deren Urteil etwas zu geben ist:

     

  • Voltaire z.B. spricht von einem “Albtraum aus Sand“.
  • Bach bleibt nur kurz und zieht enttäuscht von dannen.
  • Mozart tut es ihm Jahre später gleich.
  • Von Goethe und Schiller ist zwar nichts Kritisches überliefert, immerhin überlebt Letzterer sein Bewerbungsgespräch bei Hofe nur kurz.
  • Heinrich von Kleist trauert “verlorenen Jahren“ nach und gibt sich und seiner Liebsten am kleinen Wannsee die Kugel.
  • Heinrich Heine überlebt und flieht von hier ins weltoffene Paris,

  • Theodor Storm zieht gar das neblige Norddeutschland vor.
  • Gottfried Schadow aber schließlich attestiert der Garnisonsstadt “größte Liederlichkeit“, schimpft sie gar “ein einziges Bordell“.
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Wenn du nun also mich fragst: Nichts wie hin!

 

Zur Teilnahme ließen sich Edgar, Fred, Heinz, Herbert, Hero, Jürgen & Jürgen, Manfred, Rainer et Norbi

überreden.

Und so ist es dann schließlich gewesen: Viel Regen, Wind und harte Arbeit:

 

Oder mit den Worten des Reiseschriftstellers Theodor Fontane anlässlich einer Bootsfahrt, die ihn von Berlin nach Potsdam führte:

 

“Vorne nichts los, hinten nichts los und in der Mitte liegt der Wannsee“

 

Norbert Wulf