Berlin-Köpenick

Wanderfahrt in der Bundeshauptstadt

oder auch: Mit dem „Castor-Transport“ quer durch Berlin Köpenick

 

Als ich mich bereit erklärt habe, einen Bericht über unsere Wanderfahrt zu schreiben, habe ich mir als erstes die Frage gestellt, was man eigentlich grundsätzlich mit Wanderfahrten assoziiert. 

Als erstes fielen mir da Spaß, Entspannung, geselliges Beisammensein, etwas Erleben und natürlich aufwendige Organisation ein. 

Vermutlich geht es vielen anderen ähnlich, und jeder bringt mit Wanderfahrten auch immer langfristige Planungen in Verbindung. 

Es geht allerdings auch anders, wie wir mit unserer Wanderfahrt in Berlin Köpenick bewiesen haben.

Wir, das waren: Katja Sauerbier, Isabel Gutschow, Andrea Oberembt, Andrea Siepelmeyer, Hannes Ruf, Stephan Bohn, Christian Kerkhoff, Joachim Brack und Henning Delius. (Stephan Hellwig , der unseren zweiten Vierer komplettieren sollte, musste leider kurzfristig wegen Hochzeitsvorbereitungen absagen.)

 

Wir haben es geschafft, mit minimalem und vor allem kurzfristigem Planungsaufwand eine schöne, erholsame und stressfreie Wanderfahrt zu organisieren.

Das hat funktioniert, weil jeder bereit war, für irgendetwas Verantwortung zu übernehmen. 

Stephan hatte den Kontakt zu dem Berliner Ruderverein hergestellt, bei dem wir beherbergt wurden, Hannes, Isa und Katja hatten sich des Großeinkaufs  angenommen, zusätzlich hat Isa uns mit Muffins versorgt und Katja hat Unmengen an Fleischbällchen (wir sind uns immer noch nicht einig, wie sie heißen, die Varianten gingen von Bulette bis Frikadelle…)gebraten. (Vielen Dank dafür, nach internen Informationen roch die Küche noch Tage später nach gebratenem Hackfleisch.)

Christian hat eine riesige Menge Nudelsalat gemacht und ich (Andrea S.) habe zum ersten Mal in meinem Leben (mit einer telefonischen Standleitung zu meinen Eltern) Kartoffelsalat gemacht.

Henning und Joachim waren so nett, für den Transfer nach Berlin ihre Autos zur Verfügung zu stellen und Andrea O. hatte mit der Organisation ihres Fluges von England nach Berlin auch mehr als genug in unsere Wanderfahrt investiert.

 

Am Freitag dem 23.Mai 2008 ging es dann vom Verein aus los. Nachdem Gepäck und Leute auf die Autos verteilt waren, starteten wir Richtung Bundeshauptstadt. Trotz ungleicher Motorleistung der Autos und zwei Navigationssystemen, die sich schon bei dem Weg von der WSAP bis zur Autobahn nicht einig waren, haben wir es doch geschafft, gemeinsam und pünktlich, zur avisierten Zeit, in Köpenick anzukommen.

Dort wurden wir von einem Empfangskomitee des SCBK und Andrea O. in Empfang genommen. Andrea war schon früher am Verein angekommen, weil sie die Wanderfahrt zum Anlass genommen hatte, einen Kurzurlaub in Berlin zu machen, so dass sie schon lange vor uns in Berlin war.

Die Mitglieder des Berliner Ruderclubs haben sich wunderbar um uns gekümmert, uns alles Wichtige gezeigt und erklärt, so dass wir uns gleich willkommen fühlten. 

 

Schon die Hinfahrt hatte kulturelle Bildung ermöglicht, weil wir ein ganzes Stück über die Berliner Stadtautobahn fahren mussten. Wir lernten zum Beispiel unter anderem, als wir über die Sonnenallee fuhren, dass der Film „Sonnenallee“ die Verfilmung eines Romans ist, der „Das kürzere Ende der Sonnenallee“ heißt.

Und auch sonst konnten immer einige von uns vom Wissen anderer profitieren. Ungeschlagen in der Allgemeinbildung ist Joachim, der für alles einen Erklärung parat hatte und sich auch geschichtlich erstaunlich gut auskennt (als der älteste in unserer Truppe, konnte man von ihm allerdings auch mehr Lebenserfahrung erwarten, als von allen anderen) 

Ansonsten hatte auch Katja immer mal wieder eine interessante Lebensweisheit mitzuteilen. 

 

Bereits auf dem Weg nach Berlin haben wir uns gefragt, wie stark wohl die Rückenschmerzen sein würden, wenn man eine Nacht auf der Iso-Matte verbracht hat. Aber zu unserer Überraschung (und großen Freude) hat der SCBK ein großes Vereinsheim mit Gästeschlafzimmern. Schnell hatten wir uns auf die drei freien Zimmer verteilt, so dass wir ein „Mädchen-Zimmer“ und zwei „Jungen-Zimmer“ hatten in dem jeder ein eigenes Bett hatte. 

Wundervoll war auch, dass der Trainer der Berliner, der auch im Bootshaus schlief morgens schon Kaffee für uns gekocht hatte, als wir zum Frühstück kamen.

Joachim hatte außerdem freiwillig das Brötchenholen an der Tankstelle übernommen, so dass wir schon morgens zum Frühstück bestens versorgt waren. 

 

Als es dann am Samstagmorgen an die Planung der Route ging, wurden wir wieder tatkräftig von unseren Gastgebern unterstützt, diese hatten nicht nur Karten für uns sondern sie boten uns auch verschieden Routen an, die wir fahren konnten.

Weil uns ja der 10. Mann fehlte, schlugen uns die Berliner vor, doch mit dem Achter zu fahren. Da waren wir mit neun Leuten genau die richtige Besetzung. 

Und so kamen wir zu unserem „Castor“ mit dem wir an zwei Tagen insgesamt 50km zurückgelegt haben. 

Schön an dem Boot war, dass wir alle beisammen waren und so keine Diskrepanzen bezüglich der Geschwindigkeit oder ähnlichem entstanden.

Am ersten Tag hatten wir uns für eine 35km lange Rundtour entschieden. Dabei fuhren wir unter anderem über den Müggelsee und über die 2000m-Regattastrecke. Neben diesen sportlichen Höhepunkten bot die Strecke aber auch Möglichkeiten der Entspannung, wie etwa als wir an einem kleinen Strand anlegten um Pause zu machen. Oder als wir nach einem riskanten Anlegemanöver in einer Gaststätte einkehrten, zum Kaffee trinken. 

Beeindruckt waren wir während der ganzen Fahrt von der Menge motorisierter Boote, die wir auf unserem Weg immer wieder antrafen. Das kannten wir so von unseren innerstädtischen Hamburger Rudergewässern nicht.

Überhaupt gab es am Ufer immer viel zu sehen, so dass uns zu keiner Zeit langweilig wurde. 

 

Nach der schönen und etwas anstrengenden Fahrt am Samstag hatten wir uns schnell geeinigt, dass wir abends gemütlich grillen und dann den Grand Prix anschauen wollten und nicht in die Stadt fahren würden. So verbrachten wir einen netten Abend in Gesellschaft unserer freundlichen Gastgeber. Selbst das erstaunlich schlechte Auftreten der deutschen Teilnehmer am Grand Prix konnte an der guten Stimmung nichts ändern. 

 

Sonntags ging es nach dem Frühstück dann noch einmal aufs Wasser. Diesmal fuhren wir mit unserem „Castor-Transport“ in Richtung der Berliner Innenstadt. Zur Enttäuschung von Christian konnten wir allerdings nicht „richtig“ in die Stadt fahren. Aber wir bekamen trotz allem noch unser Foto mit dem Alex im Hintergrund. Das hat die meisten von uns wieder versöhnlich gestimmt.

Auch ohne sportliche Höhepunkte war unsere Ausfahrt am Sonntag sehr schön und lustig.

 

Erstaunlich reibungslos verliefen dann die Rückreise und alle damit verbundenen Aufgaben. In nahezu rekordverdächtiger Zeit hatten wir „unseren“ Castor aus dem Wasser geholt, unsere Sachen gepackt und alles in den Autos verstaut. 

Danach mussten wir uns dann nur noch bei unseren Gastgebern für ein sehr schönes Wochenende und für die überragende Gastfreundschaft bedanken. 

 

Alles in allem hat Deutschland wohl noch keinen so umweltfreundlichen, lustigen und entspannten Kastortransport gesehen, wir unseren. Wir haben in Berlin ein unvergessliches Wochenende erlebt, dass jedem ermöglicht hat, die Alltagssorgen zu vergessen und einfach mal abzuschalten. 

Am Ende war zumindest uns allen klar, dass wir diese Reise nächstes Jahr wiederholen wollen. Vielleicht klappte es dann ja mit der kompletten Besatzung