Pagensand

Pagensand-Überlebenstour und die Kuh „Elsa“

Ingo Brandt hatte mal wieder Pagensand aufs Programm gesetzt und dafür 6 rüstige Rentner überzeugt, sich dieses Abenteuer anzutun. Es sollte eine 4-Tagestour von Mittwoch bis Sonnabend (21. - 24. Mai) werden.

 

Diesmal war es eine logistische Meisterleistung, da nicht nur die Tidenzeiten – wie immer von Eddi – ausgeklügelt werden mussten, sondern wir mussten auch den Umweg über die Süderelbe einplanen, da die Hafendurchfahrt wegen Bauarbeiten an den Landungsbrücken nicht möglich war. Da wir den Weg „außenrum“ über die Süderelbe und den Kohlbrand nicht in einem Ritt schaffen konnten, beschlossen wir im "Ruderclub Süderelbe“ eine Übernachtung einzuschieben, um Mittwoch früh um 6:30h bei ablaufendem Wasser von dort zu starten.

 

Wir hatten den Vierer „Pagensand“ mit Ingo Brandt, Kurt Boch, Jürgen Kausch, Horst Stoehr und Klaus Schopper besetzt, während Eddi Rosenthal und Christian Fründt den Dreier „Albatros“ mit zusätzlichem Gepäck auf Platz 2 rudern sollten (wollten).

 

Vier Tage auf einer unbewohnten Insel einigermaßen satt und unverdurstet und zudem noch bei ungewissen Wetterverhältnissen zu überstehen, erfordert einige Gepäckstücke wie Zelte, Proviant, Kocher, Grillpfanne, Brennstoffe, Lumas, Schlafsäcke, Kleidung, Axt, Säge, Klappspaten (für die Entsorgung körperlicher Ausscheidungen) sowie diverse andere nützliche Utensilien, von Ingos Patent-Mückenmittel, Sonnencremes usw. ganz zu schweigen.

 

Die Anzahl der Behälter alkoholischer u. nicht-alkoholischer Getränke war auch entsprechend dem vermeintlichen „Durstfaktor“ kalkuliert.

 

Da wir das gesamte Gepäck nicht in den Booten mitnehmen konnten und wollten, beluden wir bereits am Montag Eddies Auto mit allem, was während der Hinfahrt nicht benötigt wurde und er fuhr es nach Kollmar (kleiner Hafen auf der Landseite gegenüber von Pagensand) auf einen Parkplatz. Von dort sollte es am Mittwoch nachmittag mit dem unbeladenen Vierer und drei Ruderern abgeholt werden. Das klappte vorzüglich, vor allem Dank der belegten Brötchen, die Eddie noch schnell am Kiosk für uns ermattete Ruderer organisiert hatte – das war Spitze!!!

 

Zuvor waren wir schon vom Inselwart gewarnt worden, nachdem wir uns die erforderliche Genehmigung zum Zelten eingeholt hatten, dass auf der Insel eine streunende Kuh oder ein Ochse herumirren würde, und wir entsprechend gewarnt sein sollten. Wir nahmen das in Kauf und glaubten uns wehrhaft genug.

 

Wir gingen unseren gewohnten Beschäftigungen wie Zelte aufbauen, Feuerholz sammeln, Kaffeekochen und Essen vorbereiten nach und waren alle bester Stimmung, als aus dem Unterholz eine Kuh auftauchte und uns beobachtete. Sie war neugierig, traute sich aber nicht näher heran. Es stellte sich heraus, dass es eine junge Kuh war, die wir sogleich „Elsa“ tauften. Unsere Annäherungsversuche blieben erfolglos, da sie wohl doch etwas scheu war. Aber sie tauchte immer wieder mal auf, um bei uns nach dem Rechten zu sehen, trollte sich dann wieder, um über den Strand zu ihrem uns unbekannten Standort zu traben. Eine wirklich amüsante Abwechslung in unserem Inselleben, das mit dem traditionellen Vergraben einer neuen hochprozentigen Rumflasche (die alte wurde ausgegraben und geleert –mmmh!), einer Fahrt des Vierers nach Glückstadt, einer Wanderung auf der Insel und allerlei „smalltalk“ aufgelockert wurde. Die mitgeführten Rotwein- und Biervorräte waren natürlich hilfreich.

 

Am Sonnabend dann das Abbauen und Verstauen allen Gepäcks und des produzierten Mülls und wieder die Fahrt nach Kollmar zu Eddies Auto. Gegen 13:15h Ablegen bei auflaufendem Wasser und natürlich, wie immer!!!, Wind von vorn. Wir schlugen uns gut durch und Hamburg kam in Sicht. Aber wir mussten wieder durch den Köhlbrand, Rethe, Reiherstieg, um dann die Elbe beim Baumwall zu überqueren – Wellen von allen Seiten und verstärkter Gegenwind !!!

Dieser hatte wohl auf der Höhe von Teufelsbrück ein Segelboot zum Kentern gebracht und wir konnten beobachten, wie zu Wasser, zu Lande und aus der Luft alles in Bewegung gesetzt wurde, um die Schiffbrüchigen zu retten. Dabei nutzten die DLRG-Boote die Gelegenheit, endlich einmal richtig aufdrehen zu können. Den Ausgang kennen wir nicht, wir mussten ja weiter.

 

So erreichten wir schließlich, nach den üblichen Schleusenvorgängen, die Binnenalster und, wer hätte es geahnt, die Aussenalster mit heftigstem Wind von vorn (acht Stunden auf dem Rollsitz hatte unser Sitzfleisch zermürbt) und legten endlich gegen 21:30h an unserem Bootssteg an. Das Auspacken und Einlagern der Boote erfolgte unter zu leichter Reizbarkeit führender Erschöpfung, die uns fragen ließ: „Warum tun wir uns das an?“ Aber irgendwann wird es sicher wieder ein paar Verrückte geben, wie immer Danksagungen an Einzelne wären nötig, aber die Küchencrew, die außerordentliches leistete, von Rührei und frischem Kaffee zum Frühstück bis zu leckeren Eintöpfen am Abend, muss doch besonders gelobt werden (Ingo und Jürgen wissen, wer gemeint ist).

 

Christian Fründt