Persönliche Wahrnehmung einer unglaublichen Wanderfahrt auf den 1000 Seen...

Sollte es wahr sein? 26 oder 28 C° über ein ganzes Wochenende, nur Sonne, kaum Wind.

 

Dazu die heimlichen kulinarischen Schätze aus diversen Gourmetküchen des Vereins, gepaart mit außerordentlicher Grill- und Feuerkompetenz des starken Geschlechts. Um jeglichem Flüssigkeitsmangel vorzugreifen war auch für hinreichenden Bestand an besten Wässern, Schorlen, Weinen und Bieren gesorgt. Was will man mehr: fehlt nur noch die Mannschaft die nach etlichen Kilometern Wassertrinken noch genügend Raum im Bauch hat, um die Würstchen, Steaks und anderen Köstlichkeiten entsprechend zu platzieren.....


Die außerordentliche Organisation Katjas, Hennings und Christians sorgte jedenfalls schon einmal dafür, dass alles Überlebensnotwendige vorhanden war: von der perfekt geringelten Wanderfahrtenbeschreibung incl. Kartenmaterial, genügend Trinkwasser, Autos, Zelten, Brot und Fleisch!


Nachdem sich unsere Abfahrt (in Hennings Auto) um 1,5 Stunden verfrühte, kam ich etwas ins Schwitzen. Schaffe ich meine „to dos“ noch alle? Aber es war ja schon einmal gut, dass diese Info mich dann auch am Mittag erreichte.....

 

Um sechs ging’s los. Knapp drei Stunden später waren wir da. Schnell wurden die Zelte aufgebaut und währenddessen auch sofort der Grill angeworfen.

 

Nach und nach trudelten alle anderen Autos ein, sodass der ersten Abend bis halb zwei in der früh dauern sollte. Es war ja auch zu nett. Christian beendete unsere schon etwas kleinere Runde mit der „urgemütlichen“ Neonröhre. Das sollte aber auch gut sein, da schließlich am nächsten Tag ordentlich gerudert werden sollte. Und das haben wir!


Der Tag begann für mich um 6.30 Uhr. Noch war es schön still und ruhig. So ein See am Morgen, wie wir ihn an unserem Standort vorfanden, ist ein Traum. Nur Assi war noch früher als ich und deckte schon den Frühstückstisch. Nach einiger Zeit der ersten Überwindung mussten wir dann ins Wasser. Warum wir uns dann im Nachhinein überwinden mussten, weiß keiner mehr. Es war einfach klasse! Nach und nach fanden auch einige andere von uns den Weg ins kühle Nass. Das Ritual des morgendlichen Bades war geboren (sofern man bei zwei Tagen davon sprechen kann)!

 

Anschließend genossen wir das Frühstück in der Sonne und starteten dann mit den drei schnittigen Rennvierern in traditioneller Machart aus Holz: Freundschaft, Hansa Union und Einstein, ca. 60 Jahre alt. Besonders in der „Freundschaft“ quälte uns die ersten Kilometer in sengender Hitze die Frage ob wir nicht untergehen werden. Das Boot lief immer weiter mit Wasser voll.

 

Alle paar Kilometer konnten wir der Versuchung nicht widerstehen Schwimmpausen einzulegen. Diese wurden mit kleinen Snacks und der Vernichtung diverser Wasservorräte angenehm verkürzt. Zwischendurch musste manch schwimmender Ruderer Angst vor heimlich wegfahrenden Booten haben. Andere Wasserratten konnten sich aber durch braves Hin- und Herschwimmen zwischen den Booten durchaus auch kleine Mäuse verdienen. Annett stopfte dann hungrige Mäuler.

 

Steffis und Katjas selbst gemachte Muffins und Quarkbrötchen versüßten jede Pause. Futterneid konnte so gerade eben noch vermieden werden. Nach den ersten dreißig Kilometern Rudern, Schwimmen und Essen in traumhafter Seenlandschaft spürte dann zumindest in unserem Boot so langsam jeder seinen Körper. Hände und Unterarme wurden schwerer und schwerer: Der Rollsitz drückt, die traditionellen Skulls lassen uns mit Freude an unsere Bigblades im Verein erinnern, zu kurze Rollschienen lassen uns an Zeiten zurück denken an denen wir noch „ordentlich“ rudern durften. Katja erfand die Möglichkeit nur noch stehendes Blatt zu fahren. Assi tat es ihr gleich und nahm dies sichtlich erfreut als Trainingsübung wahr. Zu schwer war der Druck für zarte Frauenunterarme! Zehn Kilometer weiter spürten wir Rücken, Beine, Zehen, Arme, ALLES. Jetzt half auch ein kühles Bad nicht mehr wirklich. Das Boot wollte nach Hause. Kämpferisch plagten wir uns mit vereinten letzten Kräften zu unserer Vereinsstation. Endlich angekommen, trugen wir schnell die Boote raus und noch schneller wollte ich zurück an den Steg. Pause. Ich trank ein Bier. Ich trank noch ein Bier. Ich wollte nur noch sitzen bleiben.....

 

Aber da war ja noch der Hunger. Da war es doch genial, dass einfach alles fertig war. Schon konnte ohne großen Aufwand der nächste Grillabend eingeläutet werden. Wir aßen und die Herren Delius, Brack und Urban kümmerten sich ums Feuer....

 

Schade, dass Marco und seine Frau uns direkt abends und Assi, Fabian, Joachim und Christian uns dann früh morgens schon verlassen mussten. So ging es dann am nächsten Tag mit nur zwei Booten in verkleinerter Mannschaft wieder auf Tour.


Trotz ausgiebigen Schlafes und frühem zu Bett gehen fühlte sich mein Körper wie ein halbes Jahr Bergbau an. So stellte ich mir das zumindest vor. Jeden Knochen habe ich gespürt und nachdem ich am Vorabend so müde war, dass ich kaum sprechen konnte, war ich in der Annahme dass ich den neuen Tag nicht eine Meter rudern könnte. Es war nicht ganz so. Beruhigt hatte mich zudem an dieser Stelle, dass ich nicht allein war mit meinen körperlichen Befindlichkeiten... Nach dem morgendlichen Bad im See fühlte ich mich anfangs fast wie neu geboren. Nach zehn Kilometern wieder schönster Wasserfauna und -landschaft sollte ich aber dann erfahren, dass dem nicht ganz so sein wird. Es war gut zu wissen, dass dieser Tag nur 20 km „Strecke“ bringen wird...

 

Die Tour wurde wieder begleitet von ausgiebigen Plansch- und Pippipausen und endet leider schon viel zu früh am Nachmittag wieder an unserem Ausgangspunkt in Mirow.


Konnte das jetzt nicht einfach noch eine Woche so weiter gehen? So entspannt und unkompliziert und lustig und überhaupt. Das war auch mit Euch allen Katja, Jana, Assi, Fabian, Steffi, Henning, Christan K., Tobi, Marco, Falk, Christan W., Annett, Joachim, Finn einfach schön. Ich wusste es doch: rudern macht glücklich! Also gern wieder!

Vollkommen beseelt starte ich nun in die neue Woche.

 

Claudia, 10. August 2009

 

 

Und damit unser Michael sich auch keine Sorgen machen muss, hier noch ein kleiner Hinweis: Wir ruderten auch ein wenig, schafften jedoch „nur“ 62 km. Zusätzlich schwammen wir dafür dann insgesamt bestimmt 18 km und gegessen haben wir dann mindestens 1000m Feinkost hintereinander gelegt addiert. Was wir tranken kann ich nicht messen. Ob der eine oder andere Dich nun auf der Kilometerliste überholt weiß ich nicht. ;-)


Für Tobi: Die Mecklenburg - Vorpommersche Seenplatte ist die größte zusammenhängende Seenplatte Europas und besteht tatsächlich aus mehr als 1000 Seen. (Quelle Merian) Es gibt also noch viel zu entdecken.....