Bergedorf

Wanderfahrt mit Sprungelementen oder 'Wenn Engel reisen'

Samstag, 7.8.2010

Als sich dieses Jahr Michael und Alex bereit erklärten, eine Wanderfahrt zu organisieren, wussten wir ja noch nicht, was für ein Glücksgriff das für uns war.

Und die Ankündigung einer Zwischendurch-Überraschung, zu der wir auf jeden Fall Badesachen bereit halten sollten, ließ uns wie Kinder vor Vorfreude wild durcheinander rätseln, was uns wohl erwarten würde. 

Inklusive des hervorragenden Wetters hatten die beiden am Samstag um 9.00 Uhr alles bis auf das kleinste Detail vorbereitet. 

Mit freundlicher Zurverfügungstellung der Hamburger Ruderinnen lag da am sonnendurchfluteten Isekanal die gute alte Tigerente ('Tijschaa') mit unseren beiden Wanderbooten startklar für das Unternehmen "WSAP goes Bergedorf".

An ausreichend Verpflegung sollte es - wie sich später herausstellte - definitiv nicht mangeln. Ich weiss eigentlich nicht, was Michi und Alex nicht eingekauft hatten. Die Zeltutensilien und die Verpflegung waren bereits am Vorabend von den beiden nach Bergedorf verfrachtet worden. Leider auch das Bier... Dafür überraschte uns aber am frühen Morgen Ruderkamerad Klaus Andersen, der unseren Vorrat noch mit einem selbstgebackenen Pflaumenkuchen aufstockte.

Insgesamt 13 Teilnehmer machten sich dann gegen 10.00 Uhr auf den Weg über die spiegelglatte Alster - mit Begleitmusik vom CSD - bis zur ersten Schleuse. Irgendjemand fing an, "zehn Dicke" zu machen und schon war die erste Wettfahrt eröffnet. Auch das sollte mich mit meiner mir zugeschriebenen Mannschaft Michael, Markus...noch Fragen? sowie Andrea an diesem Wochenende noch lange und wiederholt begleiten. Wird wohl doch eher ein Trainingslager anstatt Erholung... Prompt trafen wir ausgerechnet unsere Trainerin Sina mit ihrem Langzeit-Lover am Steuer von jeweils 2 Anfängerbooten, die uns nur verschämt grüßte, so wie wir Irren mit Totenkopf-Flagge daher geschippert kamen. Na ja, soll sich mal nicht so anstellen ;)

Die ersten, für jeden liebevollst gepackten Verpflegungstüten (auf meiner war 'ne Sonne gemalt), wurden bereits beim Schleusen angegriffen und der Inhalt verschlungen. Wer Maoam, Ritter Sport und Caprisonne vor 10.00 Uhr nicht verträgt, war hier verkehrt. 

Kaum waren wir in Hafengewässern, schossen von rechts und links die Barkassen und Schlepper nur so an uns vorbei und nötigten uns das erste Mal gelernte Verhaltenweisen aus dem Steuerkurs von Jutta in Erinnerung zu rufen. 50 Schläge weiter waren wir aber auch schon aus dem Gröbsten 'raus und fuhren den Zollkanal entspannt zu Ende. Na ja, abgesehen von der speziellen Papiertütenkopfbedeckung von Michi, die unsere Lachmuskeln noch mehrfach strapazieren sollte und den einen oder anderen 'zehn Dicken'......Die Fahrt auf der Elbe war dann aber ein purer Genuss und wurde ohne größere Schiffswellen bewältigt. 

Dann kam der spannende Augenblick, in dem uns Michael auf der Teilung zur Dove-Elbe hin nach rechts weiter zum Yachthafen am Oortkatensee lotste. Wir fanden schnell ein paar gute Plätze zum Anlegen und Festmachen. Es folgte ein kurzes Picknick auf dem schwimmenden Ponton am Hafen, mit ein paar leckeren Muffins und selbstgemachtem 'Wanderbrot' von Katja, während nebenher untereinander 'Fellpflege' betrieben wurde. Die ersten Sonnenbrände wurden verarztet, denn Sonne hatten wir bis dato reichlich. Christian nahm das mit dem Eincremen anscheinend nicht so ernst und präsentierte uns abends nach dem Duschen seinen neuen WSAP Einteiler in rot/weiss :)

 

Ungeduldig und aufgeregt schnappten wir uns endlich unsere Badehöschen samt Handtuch und ließen uns dann hinüber über den Deich geleiten. Ich las nur auf einem großen Banner "ABFLUG" und war entzückt. Da hatten sich Michael und Alex wirklich eine lustige Veranstaltung für uns 'Verrückten' ausgesucht. Da stand ein ca. 8m hoher Turm, von dessen 25m-Rampe wir uns hoch in die Fluten stürzen sollten. Da wir nicht ewig Zeit dort verbringen konnten, musste schnell entschieden werden. Wer springt, wer feuert an, wer schießt Fotos? Ich entschied mich zuerst für ersteres, was ich auch nach meinen davongetragenen Blessuren nicht bereute. Letztendlich fanden sich 8 Ruderer zusammen, die den Turm hinauf stiegen, ungewiss wie steil es da oben tatsächlich aussehen sollte. Die meisten gingen erstmal vorsichtig an die Sache heran. Warum ich Hornochse mich gleich für einen Sprung mit Bobbycar entschieden habe... nun, vermutlich weil ich nie auf dem meiner Tochter fahren durfte und sich endlich mal die Gelegenheit bot. Mein Aufprallwinkel entpuppte sich jedoch als unglücklich und schmerzhaft, so dass ich wohl bei den lila Prellungsmerkmalen erstmal nicht mehr Bikini ohne das Vernehmen der Aufschreie anderer tragen sollte.  Danach entschied ich mich die zweiten Sprünge mit der Kamera festzuhalten und wechselte mich mit Michi ab, der es nun kaum erwarten konnte, seinen knapp 100 kg schweren Musterkörper hinunter zu stürzen. Er und der Rest der Wagemutigen kamen zum Glück heil und mit zum Teil spektakulären Stunts 'runter und wären wohl am liebsten noch bei der anschließenden Weltmeisterschaft an den Start gegangen. Fabian hätte definitiv haltungsmäßig und vom Posen her die goldene "Rampensau" werden können. 

Yachthafen Oortkatensee
Katja traute sich als erstes!
Assi mit Bobbycar
Bereute Krampe von Markus
Katja die 2.
Michi: Bam ...die Beine
Christian out of control
Zuviel Cliff-Werbung geschaut

Adrenalinbefüllt, satt und größtenteils eingecremt gingen wir endlich die Schlussstrecke an. Der herrliche Spaß hatte uns immerhin 18 Kilometer Umweg gekostet. An der Regattastrecke in Allermöhe wurde noch einmal kurz PipiPause gemacht und dann gingen wir die Siegesstrecke unseres Mixed-Achters an. Und wie. Michael und Markus drehten völlig durch, wenn auch nur eins der anderen beiden Boote einen Luftdeckel breit vor uns war. Sofort kam der Aufruf zum "Bam, die Beine" und wir befanden uns vom 16er Schlag im 35er wieder. Das ging die ganzen 7 km runter bis zum RC Bergedorf. Katjas Besatzung mit Christian, Steffi und Helge waren gute Gegner, die den Spaß mitmachten. Andrea wurde in unserem Bug echt gefordert, verteilte zwischendurch zwar kräftig aus und sollte sich später trotzdem einen Zeltplatz mit Markus teilen. 

 

Fabian blieb souverän mit seinen Leuten zurück und hielt sich die Kräfte für den nächsten Tag auf.

(Anmerk. d. Red.: Wir hatten schließlich den Schlüssel zum RCB Bootshaus an Bord ;)

 

Schnell gemeinsam die Boote auf den Rasen, Zelte aufbauen, duschen gehen, Grill vorbereiten. Henning und seine hochschwangere Frau standen bereits am Steg, um uns zu begrüßen und um mit uns gemeinsam den Grillabend zu verbringen. Herrje, was sage ich Grillabend. Es war ein einziger Gourmetschmaus. Ich habe lange nicht so viele Leckereien auf einmal genossen, jeder hatte sich schwer ins Zeug gelegt und kulinarische Köstlichkeiten auf den Tisch gezaubert. Michi und Alex hatten ja ohnehin schon an alles gedacht, denn die Getränkeauswahl war gigantisch. Es fehlte auch an keiner Cocktailsoße. Die aufzuzählen würde vermutlich die Website sprengen. Die Krönung war dann noch die 'Lüttje Lage' von Markus, der uns so in die Hannoversche Trink-Tradition einführte und zu guter Letzt auch noch einen selbstgemachten Käsekuchen aus dem Ärmel zauberte. Letzteres ist vielleicht noch ein wenig verbesserungswürdig aber mit einem Glas Wasser ging's irgendwie 'runter.

 

Während des anschließendem und gemütlichen Lagerfeuers fanden sich auch noch die letzten Zeltpartner zusammen, wenngleich sich Helge vermutlich einen anderen als Michi gewünscht hätte. Der schlief jedoch auf geschätzten 1,40 m Länge brav in Helges Vorzelt und ließ die restlichen 62 Zentimeter bis Einsetzen des kurzen Nieselregens 'raushängen. Weit nach Mitternacht fanden auch die Letzten Ihren Weg in die Zelte und nahmen zufrieden und glücklich diesen erlebnisreichen ersten Tag mit in ihre Träume.

 

 

Assi

 

Sonntag, 8. August

Der zweite Tag...begann in der Nacht. Schlaue Leute hatten offenbar auf der A 25 zwischen Nettelnburg und Bergedorf eine Nachtbaustelle eingerichtet. Das ist von jedem staugeplagten Bürger grundsätzlich zu begrüßen, führte in diesem Fall aber dazu, daß Assi sich am Morgen fühlte, als hätte sie "neben einem Containerterminal übernachtet". Michi schlief tatsächlich wie berichtet im Vorzelt. Ich möchte nur sagen: an mir lag es nicht, denn es gab in Steffis zur Verfügung gestelltem Zelt massig Platz für zwei unserer Größe. Vielleicht hat ihm aber eines der zahlreichen alkoholfreien Getränke etwas die räumliche Wahrnehmung getrübt. Gegen morgen leises Geplätscher: Markus "kommt noch einer mit Schwimmen" Kucklick und Andrea gingen... genau! Aus anderen Zelten wurde vereinzelt von Schreien, Um-sich-Schlagen, Reden-im-Schlaf und Sägereien berichtet. Einzelheiten sind jedoch nicht bekannt.


Irgendwann sah man immer mehr Mitstreiter mit dem Pappbecher voller dubioser Kaffeeexperimente über den Platz laufen und schließlich saßen wir alle mehr oder weniger hungrig um den Frühstückstisch. Wie am Vorabend vier Quadratmeter Köstlichkeiten. Selbstgemachte Marmelade und Nutella, Schinken und Käse, Brot und Brötchen, Käsekuchen die Zweite (jetzt vom Tau gut durchgezogen), Tee und Kaffee - vom Feinsten all die Leckereien. Die kurze Nieselei in der Nacht blieb der einzige Niederschlag, es war zwar bedeckt, was die Sonnengebrannten sicherlich zu schätzen wußten, aber weiterhin warm. Vielleicht lag es an der spiritusgeschwängerten Luft, die von der bergedorfer Bootspflege herüberwehte.


Nach Umziehen, Packen und Aufräumen, brachten wir dann gegen 14.00 die Boote wieder zu Wasser und schipperten in aller Gemütsruhe Richtung Regattastrecke in Allermöhe. Die Tigerente hielt sich auffallend zurück, hatte sie doch am Vortag an der Mündung der Dove-Elbe statt des erhofften Lobes (toll, daß Ihr Euch so ins Zeug gelegt habt und wir gar nicht auf Euch warten mußten) einen scharfen Verweis (das war total unkameradschaftlich, daß Ihr einfach so vorweggefahren seid und überhaupt nicht auf uns gewartet habt, nachdem wir uns in der Angelleine usw.) erhalten hatte. Das wollte keiner von uns wieder erleben.


Auf dem Steg in Allermöhe gab es eine kurze Verschnaufpause und Kuchen die Dritte. Danach wollte Christian die Tigerente unbedingt auf der Regattastrecke sehen und lotste auch die anderen Boote dorthin. Ein Rennen war unvermeidlich. Assi gewann trotz 'Big Michael' am Steuer definitiv den Start, Fabian letztendlich durch guten Übergang in den Streckenschlag das kleine interne Rennen. Und wer noch Zweifel hatte, erhielt nun endgültige Gewißheit: die Tigerente ist kein Rennboot! Sie belegte vielmehr einen achtbaren aber eben auch dritten Platz. Man darf vermuten, daß auch die beiden Testosteron-Turbos Michi und Markus in der Kormoran "aus dem Backtrog keine Violine gemacht hätten", wie ich immer sage. Somit blieb uns nur, den anderen Booten in Ruhe und Abstand zur Tatenberger Schleuse zu folgen. Dort mußten wir ewig auf die Schleusung warten. Einige vertrieben sich daher die Zeit mit einem zweifelhaften Vergnügen, das bereits vorher aufgekommen war: dem Bewerfen von Booten, Mitfahrern und Ufer mit kleinen Gegenständen. Weiß der Teufel, wo sie die Haribo-Schaumschweine, Aprikosen und Bonbons immer herhatten. Vieles landete im Wasser und hat sicher dem ein oder anderen Schwan noch das Leben gekostet oder gerettet. Wer weiß.


Dann hatte uns die richtige Elbe wieder und wir fuhren mit gelinde ablaufendem Wasser zügig Richtung Zollkanal. Ich weiß nicht, wer von Euch auf einem altsprachlichen Gymnasium war (ich nicht) und dort die griechischen Sagen in der Originalfassung gelesen oder übersetzt hat. Jedenfalls gibt es in der griechischen Mythologie den Begriff: zwischen Skylla und Charybdis sein (näheres unter http://de.wiktionary.org/wiki/zwischen_Skylla_und_Charybdis_sein). Und ich kam mir gerade am ersten Tag im Zollkanal gleich am Anfang so vor. Auf der Rückfahrt war es vergleichsweise ruhig, jedoch begann es unmittelbar vor der Einfahrt in die Schaartorschleuse zu gießen. Bis dahin hatten wir ja großes Glück gehabt, aber jetzt wurde es doch noch einmal ungemütlich. Daran änderte auch das Angebot des freundlichen Schleusenwärters nichts, noch etwas in der überdachten Schleuse zu warten. Nein, es gab ab jetzt nochmal eine Stunde auf die Mütze. Bereits in der Rathausschleuse war mein Schoko-Quarkbrötchen durchgeweicht, das uns Steffi freundlicherweise zur Aufmunterung gereicht hatte. Also, nichts wie weiter. Diesmal keine CSD-Brückenspucker und Karaoke-"Sänger" wie nach der Hanskalbsandtour. Gut so. Das beflügelt. Vorbei an der Fontäne und auf die Außenalster. Die anderen waren schon weit voraus, fuhren von der Schleuse bis zum Club nur noch "Dicke", doch ausgerechnet uns mußte vor dem Anleger Rabenstraße ein Alsterdampfer aufs Korn nehmen. Weit und breit kein Schiff, kein Boot. Nur Katjas bravouröses "Elchtest"-Ausweichmanöver hat uns vor Schlimmerem bewahrt.


Der Rest ist Geschichte: anlegen, Skulls raus, Boote saubermachen und auf das Gepäck aus Bergedorf warten ...

 

Helge